Eltern als Zeitjongleure
Familien brauchen Arbeitszeiten nach Maß
"Berufstätige Eltern sind Zeitjongleure, die ständig zwischen Familie
und Beruf balancieren," sagte die Expertin des Wirtschafts- und
sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) Dr. Christina Klenner auf
der Veranstaltung "Arbeitszeiten - Familienzeiten" in Düsseldorf
(April 2002). Wie
eine aktuelle Studie des WSI in der Hans-Böckler-Stiftung zeige, stimmten
Eltern ihre Arbeitszeiten mit den vielfältigen Anforderungen der Familie in
aus-geklügelten zeitlichen Arrangements ab.
Mit Blick auf die heutige Regierungserklärung von Kanzler Schröder meinte
Klenner: "Familienpolitik hat zwar Konjunktur - im Wahljahr bemühen sich
alle Parteien um dieses Thema. Doch bleiben die meisten Vorschläge zu sehr auf
der finanziellen Ebene stecken. Familien brauchen nicht nur Geld, sondern auch
gemeinsame Zeit." Zeiten für Kinder müssten viel stärker öffentlich
wahrgenommen und auch von den Betrieben berücksichtigt werden.
Die Betriebe sollten mit familienfreundlichen Arbeitszeiten auf neue
Familien- und Betreuungsformen reagieren. Der Berufsausstieg der Mutter sei
längst nicht mehr der einzige Weg, die Betreuung der Kinder abzusichern.
"Viele Mütter und Väter gehen arbeiten und teilen sich die Aufgaben der
Kinderbetreuung: Sie holt mit dem Sohn die Zahnspange ab, während er die
Tochter zum Sportverein begleitet. Die Betriebe müssen "Arbeitszeiten nach
Maß" - zugeschnitten auf die konkreten Bedingungen jeder Familie -
ermöglichen," fordert das WSI-Forschungsteam. Neben qualifizierter
Teilzeitarbeit an allen Arbeitsplätzen könnten flexible Arbeitszeitmodelle von
Arbeitszeitkonten bis hin zu Teleheimarbeit und Sabbaticals die Vereinbarkeit
erleichtern. Drei wichtige Bedingungen seien bei familienfreundlichen
Arbeitszeiten zu erfüllen: 1. Die Arbeitszeiten müssten planbar sein und
dürften nicht kurzfristig geändert werden. Arbeitszeitänderungen würden
unweigerlich eine ganze Kette von Veränderungen im familiären Arrangement nach
sich ziehen. 2. Mitbestimmung über die Lage und Verteilung der Arbeitszeiten
sollte eine an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Flexibilität der
Arbeitszeiten ermöglichen (Stichwort Schulferien). 3. Zurückgedrängt werden
müsse eine Arbeitszeitkultur der ständigen Verfügbarkeit. Dies sei oft nur
die Folge von mangelnder Personalausstattung oder schlechter
Arbeitsorganisation.
Quelle:
Hans-Böckler-Stiftung, Datum der Mitteilung: 18.04.2002
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